680km toter Fluss – Dammbruch der Bergbaudeponie bei Mariana in Brasilien

680km toter Fluss – Dammbruch der Bergbaudeponie bei Mariana in Brasilien
/// Vortrag und Gespräch mit Christian Russau (GegenStrömung, Berlin) ///

Es ist das folgenschwerste Bergwerksunglück aller Zeiten: Die toxischen 62 Mio. Tonnen Schlammassen der Deponiehalden waren nach dem Dammbruch durch die Flüsse Gualaxo do Norte und Rio do Carmo in den Fluss Rio Doce gerauscht, durchquerten und verseuchten diesen auf 680 km Länge, bevor sich die Schlammblase aus Eisen, Aluminium, Chrom, Zink sowie weiteren Schwermetallen in der Mündung des Rio Doce im Atlantik breitmachte. Die Schlammblase wächst dort jeden Tag um 250 km2. Die am Fluss befragten Kleinfischer, Anwohner, die vom Trinkwasser des Flusses abhängig sind, sowie die am Fluss lebenden indigenen Gemeinden beschweren sich über katastrophales Krisenmanagement, unzureichende Aufklärung über die Wasserqualität, einige berichten von regelrechten Kämpfen der Bewohner um das wenige gelieferte Trinkwasser in Flaschen. Noch Monate nach dem Dammbruch beklagen sich die Anwohner, die Behörden und die verantwortlichen Firmen (Samarco, Vale, BHP Billiton) – so die Anwohner – würden sie nicht angemessen informieren, bis heute herrsche weder Klarheit über den Zustand des Wassers, noch sei den Fischern klar, wann und wo sie Fischen dürften.

Christian Russau ist Journalist und Autor und ist im März den Rio Doce von der Mündung im Bundesstaat Espírito Santo bis zum Ort des Dammbruchs im Bundesstaat Minas Gerais entlang gereist und wird uns berichten, wie die Situation derzeit aussieht. Und er wird auch über die deutschen Verwicklungen reden, welche Firmen welche Rolle bei dem Ganzen spielen.

Kohleimporte aus Kolumbien und die Verantwortung deutscher Energieversorger

Kohleimporte aus Kolumbien und die Verantwortung deutscher Energieversorger
/// Vortrag und Gespräch mit Sebastian Rötters (Urgewald, Berlin) ///

Der Steinkohlebergbau in Deutschland endet am 31.12.2017. Doch noch immer werden in Deutschland jedes Jahr über 50 Millionen Tonnen Steinkohle verbrannt – das meiste davon für die Stromproduktion. Aber woher kommt die Kohle heutzutage und unter welchen Bedingungen wird sie abgebaut? Am Beispiel Kolumbien soll dargestellt werden, welche Konsequenzen unser Kohlehunger in Deutschland hat. In der Abbauregion Cesar ermordeten Paramilitärs mehr als 3.000 Menschen und vertrieben über 55.000 Menschen. Die Kohlekonzerne Drummond und Prodeco/Glencore stehen mit am Pranger. Haben sie tatsächlich über Jahre Paramilitärs bezahlt und die Gewalt billigend in Kauf genommen? In der Region La Guajira kämpfen Indigene für ihre Rechte und gegen den Konzern Cerrejón. Der Kohlebergbau bedroht die Wasserressourcen ganzer Regionen. Doch wie reagieren Bundesregierung und deutsche Stromversorger auf die anhaltende Kritik an den Abbaubedingungen? Welche Maßnahmen werden ergriffen, um schwere Menschenrechtsverletzungen innerhalb der Lieferkette zu verhindern?

Sebastian Rötters, der als Kampaigner zum Thema Kohle bei urgewald in Berlin arbeitet, wird in Halle den internationalen Kohlehandel beleuchten, über das Beispiel Kolumbien berichten und den Zusammenhang zur Energiewende hierzulande darstellen. Er kennt Kolumbien seit gut 18 Jahren und hat dort für die Menschenrechtsorganisation Peace Brigades International gearbeitet. Durch diese Tätigkeit wurde ihm ein sehr umfassender Einblick in den kolumbianischen Bürgerkrieg gewährt. Seit 2009 beschäftigt er sich mit dem Thema Kohleimporte und die Verantwortung deutscher Energieversorger.

Buchvorstellung: Lateinamerikas Linke. Ende des progressiven Zyklus? Eine Flugschrift. von Ulrich Brand

Rechte Wahlsiege in Argentinien und Venezuela, die brasilianische und bolivianische Regierung unter Druck. Gibt es noch linke Perspektiven in Lateinamerika? Und was brachten die bisherigen Versuche, auf dem Subkontinent eine andere Politik umzusetzen? Ulrich Brand hat Expert*innen vor Ort befragt und stellt die aktuellen Debatten dar. Ein Beitrag geht der Frage nach, was die europäische Linke von den jüngsten Erfahrungen lernen kann.

Der Herausgeber Ulrich Brand arbeitet als Professor für Internatio­nale Politik an der Universität Wien und beschäftigt sich mit diesen Fragen im Buch „Lateinamerikas Linke. Ende des progressiven Zyklus? Eine Flugschrift“

Wir freuen uns euch zu der Buchvorstellung einladen zu dürfen und danken den Arbeitskreis des Sturas ALV (Alternatives Vorleseverzeichnis) für die Finanzielle Unterstützung dieser Veranstaltung.