Soliabend mit Solidaridad e.V.

Liebe Freunde und Interessierte des Solidaridad e.V.,

Nachdem der letzte Soliabend schon eine ganze Weile her ist, freuen wir uns Euch am 8.November ganz herzlich in die Goldene Rose einzuladen! Es wird Raum für politischen Input und für unsere Arbeit hier vor Ort geben, bevor es mit Musik in den Abend hineingeht. Solidarisiert euch, informiert Euch und feiert mit uns!

Programm:

– 17:00 Uhr Workshop zum kreativen Straßenprotest –
In Zusammenarbeit mit der Initiative Für weltoffene Nachbarschaft möchten wir eine Einführung geben in die Kunst der erfolgreichen Vermittlung von Inhalten via Banner / Transpis und ein paar Tipps geben, wie das ganze auch mit wenig Aufwand umgesetzt werden kann. Wir werden Materialien dabei haben, es dürfen sehr gern eigene Wünsche und Ideen mitgebracht werden – wir freuen uns über einen gegenseitigen Austausch!

– 18:30 Kurzfilm “Ausbeutung und Widerstand im Plastikmeer” mit anschließendem Gespräch mit den Interbrigadas aus Berlin –
Etwa 100.000 migrantische Landarbeiter*innen arbeiten unter widrigsten Bedingungen in den Gewächshäusern und Abpackhallen von Almería (Südspanien), Europas größte Anbaufläche für Treibhausgemüse. Ausbeutung, Rassismus und Diskriminierung sind an der Tagesordnung. Die Interbrigadas sind seit vielen Jahren vor Ort mit der dortigen Gewerkschaft Soc-Sat vernetzt und werden uns von ihrer Arbeit berichten.

Der politische Input wird ergänzt durch einen Kurzinput zum Thema “Brasilien unter Bolsonaro”, dem amtierenden Präsident Brasiliens. Sein politischer Stil wird zwischen rechtspopulistisch bis faschistisch eingeordnet. Wir wollen kurz erzählen, wie die aktuelle Lage aussieht und auf die MST Unterstützerkonferenz hinweisen, die im März in Halle stattfinden wird. –

Bevor es zur Musik übergeht möchten wir von unserer Vereinsarbeit erzählen und unser selbst zubereitetes Buffet eröffnen! Natürlich könnt ihr im Laufe des Abends immer wieder mit uns ins Gespräch kommen.

– Ab 21:00 Musik –
Es spielt der Sänger Felix Laros aus Halle und im Anschluss die Band Radio Willoh (Gitarren, Bass, Akkordeon, Cajón und Gesang aus Dtl und Lateinamerika).
Danach wird uns das DJ Team von Glück und Musik – auf Radio Corax 95.9 durch die Nacht begleiten.

Kommt vorbei, bringt interessierte Menschen mit, wir freuen uns!
Euer solidaridad e.V.


—–
Die Veranstaltung wird unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt

Wir behalten es uns als Veranstalter vor, gemäß den §§ 6, 10 VersammlG LSA von unserem Hausrecht Gebrauch zu machen und nationalistische, sexistische, rassistische, homophobe, inter- und transfeindliche Personen sowie Verschwörungsideolog*innen und Querfrontler*innen aller Art und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Gespräch zum Buen Vivir

Buen Vivir – Orte, Übersetzungen und die Möglichkeit von Kritik

Gespräch mit Dr. Philipp Altmann (Universidad Central del Ecuador) und Dr. Stefan Knauß (Universität Erfurt)

Das buen vivir (grob übersetzt als Gutes Leben oder gut leben) hat eine beeindruckende Karriere gemacht. Als Sumak Kawsay/Alli Kawsay in Ecuador und Sumak Qamaña in Bolivien ist es seit den 1990ern ein Schlüsselbegriff der sozialen Bewegungen der Indigenen, der die Forderungen nach territorialer Autonomie und Selbstverwaltung der indigenen Gemeinden bündelt. Seit den frühen 2000ern und vor allem nach den neuen Verfassungen Ecuadors (2008) und Boliviens (2009) hat sich dieser Begriff zuerst in der lokalen Politik und dann auch international etabliert. Dafür waren Übersetzungsprozesse nötig, die das buen vivir erst in der nationalen Politik Ecuadors und, als vivir bien, Boliviens und anschließend in -vor allem ökologischen- Debatten außerhalb des Andenraums verankert haben. Diese Übersetzungsprozesse liefen über konkrete Akteure, die in bestimmten Momenten an spezifische Diskurse anschließen konnten – und fähig waren, das buen vivir inhaltlich an die Debatten vor Ort anzupassen. Die lokalen Inhalte in Bezug auf territoriale Autonomie verschwanden, für die Indigenen politisch sekundäre Themen -wie das Gleichgewicht zwischen Natur und Mensch- wurden überbetont.

Lokal in Deutschland kann man also drei Versionen des buen vivir gegenüberstellen: die Version der Indigenenbewegung, die Version der Übersetzer, vor allem Acosta und Gudynas, und die schließlich lokalisierte Version vor Ort. Die Zielsetzung des Vortrags ist es, die Logik der Übersetzung zu verstehen, ohne die verschiedenen Versionen zu essentialisieren. Dazu werden die indigene Version und die Version der Übersetzer durch Kurzvorträge und Kurzzitate vorgestellt und diskutiert und anschließend die möglichen lokalen Umsetzungen erarbeitet. Dabei wird besonderes Augenmerk auf Prozesse der Übersetzung gelegt. Ab wann müssen wir sie als Aneignungen verstehen. Wann ist es nötig, die Verwendung des Konzepts buen vivir zu kritisieren und auf Basis welcher eigenen Sprecherposition kann das getan werden.

——
Mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung – Vielen Dank!

Nachhaltig=Nachhaltig?

Die Popularität des Nachhaltigkeitsbegriffs ist in den letzten Jahren exponentiell gewachsen. Gleichzeitig fällt es schwer, Konzepte wie „Nachhaltigkeit“, „nachhaltiges Leben“ und „nachhaltig“ an sich zu definieren. Immer wieder entdecken wir neue Räume und Verwendungen, sowohl in internationalen und überregionalen Kontexten als auch vermehrt in lokalen und innerstädtischen Bereichen. Das Nachhaltigkeitskonzept befindet sich in einem stetigen Wandel.

Im Rahmen dieser Erkenntnis wollen wir mit unserer Veranstaltung einen Denk-Raum anbieten, in dem allen Mitwirkenden die Möglichkeit gegeben werden soll, Nachhaltigkeit neu oder anders zu denken. Dafür wollen wir die Perspektive wechseln. Wir bewegen uns nach Lateinamerika zu dem in Deutschland als „nachhaltig“ verstandenen Konzepts des Buen Vivir und geben im Zuge eines kleinen Input Vortrags einen Überblick über wesentliche Aspekte und Zusammenhänge. Anhand konkreter Beispiele aus Argentinien und Brasilien werden wir auf komplexe Realitäten in Bereichen des Umweltschutzes, der Landrechte und sozialer / indigener Bewegungen eingehen. Aus diesem Kontext des globalen Südens wollen wir im Anschluss den Bogen hin zu lokalen Themen und Prozessen in Halle spannen. Gemeinsam mit allen Teilnehmenden sollen Gedanken und Erfahrungen ausgetauscht und anhand dieses Vergleichs unser Verständnis von Nachhaltigkeit reflektiert und hinterfragt werden: Was bedeutet nachhaltig sein? Muss nachhaltig handeln immer ein zukunftsorientiertes Handeln sein? Ist nachhaltig denken ein Privileg?

Format und Organisation:
Die von uns vorgeschlagene Aktion ist als Denk-Raum zu verstehen – die Bereitstellung eines offenen Raumes für alle Interessierten, der zur Betrachtung, Reflektion und Diskussion über den Begriff der Nachhaltigkeit einlädt. Das Gespräch miteinander und der hierarchiefreie Austausch untereinander sollen dabei im Vordergrund stehen, um gemeinsam voneinander lernen zu können.

Der solidaridad e.V. ist ein Verein für politische Bildungsarbeit in und über Lateinamerika, der in Halle seit mehr als 10 Jahren anhand verschiedenster Veranstaltungsformate wie Vorträge, Filmabende und Workshops zum Austausch einlädt. Die ReferentInnen beschäftigen sich seit vielen Jahren sowohl im universitären als auch privaten Kontext mit politischen und gesellschaftlichen Prozessen in Lateinamerika, dem Konzept des Buen Vivir sowie dekolonialen Perspektiven.
ReferentInnen: Stefan Knauß, Emilia Portaluppi, Julia Schünzel, Katja Tietge

Die Zapatisten zwischen Rebellion, Autonomie und Basisdemokratie

“Ya Basta!” Die Zapatisten zwischen Rebellion, Autonomie und Basisdemokratie

Auch 25 Jahre nachdem die Zapatisten am 1.1.1994 mit ihrem Aufstand dem Vergessen und Übergangen-Werden den Kampf angesagt haben, verfolgen sie weiterhin das Ziel, ein Leben in Würde führen zu können. Trotz zahlreicher Errungenschaften ist der Druck auf die indigene Bewegung durch Repression und Mega-Projekte stets gegenwärtig. Doch wie organisieren sich die Zapatisten und welche Wertvorstellungen liegen ihrem Handeln zugrunde?

Dr. Simon Schuster, wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Völkerrecht an der Uni Leipzig beleuchtet für uns die aktuelle Situation der Zapatisten in Mexiko. Gleichzeitig gibt er in seinem Vortrag einen Einblick in die zapatistischen Selbstverwaltungsstrukturen. Dabei zeigt er auf, welches gesellschaftsveränderndes Potenzial auch für uns in ihren Grundannahmen des Zusammenlebens steckt.

Colombia: The long way towards peace

In 2016, the Colombian government and the guerrilla FARC signed a Peace Agreement at the aim of ending a 50–year civil war. Contrary to the expected, significant sectors of Colombian society were against the Agreement and the Peace Process. The further efforts to implement the Peace Accord have been blocked by the configuration of local and national politics. Against this background, the presentation will address the main components of the Agreement, the negotiation process through which it was reached, and the challenges that its implementation currently faces.

Liebe Studierende und Interessierte!
Es ist mal wieder soweit. Diesen Donnerstag haben wir Viviana García Pinzón aus Hamburg nach Halle eingeladen. Sie wird uns über den Friedensprozess in Kolumbien berichten. Der Vortrag wird auf Englisch, die Diskussionsrunde auf Deutsch. Wir freuen uns auf euch! Ums zahlreiches Teilen wird gebeten